Es war einmal eine kleine Elfin.
Ihr Name war Bliss. sie lebte glücklich mit vielen anderen schönen Elfen und
Elfinnen zusammen.....dort, wo die Elfen eben leben.
Die Elften waren so freudvoll und
lebendig, weil sie um die großen Geheimnisse des Lebens wussten. Auch Bliss
kannte sie.
Sie wusste, daß sie selber
wertvoll und einzigartig war - ein Funke der großen Lebenskraft.... anderes
als alle anderen. Es gab nur eine einzige Bliss in diesem Universum. Und sie
konnte zu dieser Welt etwas beitragen, was niemand anders beitragen konnte.
Sie kannte auch das Geheimnis von
der Macht der Gefühle, von der Kraft, die in ihnen steckt, und die sie nutzen
konnte. Sie wusste auch um das große Geheimnis, daß sie selber ihr eigenes
Leben bestimmte, daß sie kein "Opfer" der äußeren Umstände war. Und
schließlich wusste sie, daß alles im Leben nach Vervollkommnung strebt, und
daß es ihre größte Aufgabe war, sich weiter zu entwickeln und immer mehr
lieben zu lernen. Denn Liebe ist nicht ein Gefühl, sondern eine innere
Einstellung.
Weil sie das alles wusste, wurde
sie eines Tages zum Planeten Erde geschickt. Die Wesen, die hier lebten,
hießen Menschen und sie waren den Elfen sehr unähnlich. Die meisten von ihnen
waren sehr unglücklich, denn sie hatten die großen Geheimnisse vergessen. Sie
hielten sich selber nicht für wirklich wertvoll, sondern fühlten sich "nicht
genug", ungeliebt und oft einsam. Um das auszugleichen, arbeiteten sie wie
verrückt an Dingen, die ihnen keinen Spaß machten, und versuchten, immer mehr
Besitz anzuhäufen, um "Sicherheit" zu erreichen.
Sie wussten nichts vom Zauber der
Gefühlskräfte, sondern unterdrückten ihre Gefühle oft so lange, bis sie krank
wurden. Da sie nicht daran glaubten, daß sie ihr Leben selbst bestimmen
konnten, hatten sie viel Angst und fühlten sich als Opfer des "Schicksals".
Sie waren sehr unglücklich.
Deshalb führten sie viele Kriege
gegeneinander und hatten auch ihren schönen Planeten schon sehr verschmutzt
und fast zugrunde gerichtet.
Bliss hatte nicht gewusst, was sie
in ihrer neuen Heimat erwartete. Man kann sich vorstellen, daß es für sie ein
ziemlicher Schock war, als sie als kleines Menschenkind auf diesem Planeten
geboren wurde. Deshalb stieß sie auch erstmal einen langen Schrei aus, der von
den Wesen, die jetzt ihre Eltern waren, freudig begrüßt wurde. Das war nur das
erste einer langen Kette von Missverständnissen.
Bliss merkte bald, daß sie mit diesen Wesen nicht so leicht und mühelos
kommunizieren konnte, wie es mit ihren Elfenbrüdern und -schwestern möglich
gewesen war. Überhaupt war alles so viel schwieriger als es zuhause gewesen
war - und Bliss merkte, daß sie in vielen Dingen vollkommen von ihren Eltern
abhängig war. Sie wusste ja noch nicht einmal, wie man dieser Welt leben
konnte. Also versuchte sie, darüber so viel wie möglich von ihren Eltern zu
lernen.
Sie wusste auch nicht, wie sie
ihnen von den großen Geheimnissen erzählen sollte....Deswegen war sie ja
eigentlich gekommen. Ihre Eltern konnten (oder wollten)sie nicht verstehen.
Sie wollten anscheinend auch gar nicht wissen, was Bliss sie zu lehren hatte,
sondern schienen zu glauben, daß sie ihr etwas beibringen müssten.
Bliss spürte auch, daß ihre Eltern oft gar nicht froh darüber waren, daß sie
da war. Sie waren seit ihrer Ankunft nicht glücklicher geworden, sondern
schimpften oft; manchmal schrieen sie sich sogar gegenseitig an, manchmal auch
Bliss.
Bliss wusste nicht, daß das nichts
mit ihr zu tun hatte, sondern daß ihre Eltern ganz einfach in sich selber
unglücklich waren. Sie wurde unsicher und begann sich zu fragen, ob sie
vielleicht gar nicht so wundervoll war, wie sie immer gedacht hatte.
Vielleicht war irgend etwas mit ihr nicht in Ordnung? Denn sonst könnten doch
die Eltern nicht so zu ihr sein...... Sie versuchte, sich mehr anzustrengen,
um ihren Eltern zu gefallen.
Bliss´ Eltern wussten nicht, dass
sie gekommen war, um sie die großen Geheimnisse zu lehren. Für sie war vieles
in ihrem Leben durch Bliss nur noch schwieriger geworden.
Die ersten Jahre ihres Erdenlebens
war Bliss (die übrigens jetzt Belinda hieß) fast ausschließlich mit ihren
Eltern zusammen. Langsam begann sie, von ihnen die Sprache der Menschen zu
lernen. Aber leider lernte sie von ihnen auch noch andere Dinge. Sie lernte,
daß das Leben auf diesem Planeten ein harter Kampf ums Überleben war und as es
überall Gefahren gab. Sie lernte, daß sie ihre Wut, ihre Angst und ihren
Schmerz unterdrücken musste, da sie ihren Eltern nicht gefielen.
Da sie nichts über das Leben auf
diesem Planeten wusste, übernahm sie die Überzeugungen ihrer Eltern. Das fiel
ihr nicht schwer, denn sie konnte ja immer noch die Gedanken und Gefühle
anderer wahrnehmen.
Als Belinda älter wurde, fand sie
auch bei den anderen Menschen immer nur die gleichen Überzeugungen,die die
Gedanken und Gefühle ihrer Eltern bestätigte. So war es eben auf diesem
Planeten!
Langsam begannen diese
Überzeugungen das Wissen um die großen Geheimnisse zu überlagern.
Obwohl Belinda jetzt mit ihren
Eltern sprechen konnte, konnte sie ihnen nicht mehr davon erzählen, denn sie
hatte sie selber ganz vergessen. Es war ihr so gegangen wie schon so vielen
Elfen vor ihr.......
Jahre gingen vorbei. Belinda fühlte sich jetzt ganz als Menschenfrau und
dachte nicht mehr daran, daß sie ja eigentlich eine Elfin war. Sie fühlte sich
immer noch so, als ob irgend etwas mit ihr nicht in Ordnung sei. Deshalb
versuchte sie, sich die Anerkennung anderer Menschen zu verdienen.
Wie so viele andere, so arbeitete
auch sie jetzt viel, verbrachte den Tag mit Dingen, die eigentlich nichts mit
ihr zu tun hatten, lenkte sich abends mit einer Flimmerkiste von ihrer
Traurigkeit und Erschöpfung ab, um dann ins Bett zu fallen und am nächsten
Morgen alles von vorne zu beginnen. Obwohl sie Freunde unter den Menschen
hatte, fühlte sie sich oft sehr allein.
Sie war sehr unglücklich. Sie
konnte ihre Elfenseele, ihren wahren Kern, nicht leben. Manchmal hörte sie
noch eine kleine Stimme in sich, die rief: "Vergiss mich nicht!" Aber Belinda
schenkte ihr keine Beachtung. Manchmal dachte sie sogar darüber nach, ob es
nicht besser wäre, diese Welt zu verlassen und zu sterben.
Aber eines Tages traf sie (war es
Zufall?) auf eine Gruppe von Menschen, die ihre Elfenstimmen wieder hören
gelernt hatten. Und diese Elfenstimmen sprachen auch zu Belinda, und sie
erinnerte sich wieder daran, wer sie eigentlich war.
Sie begann, wieder der
kleinen Stimme in ihrem Inneren zu folgen.
Von da an wurde alles
anders. Es war ein langer, mühevoller Weg, denn sie hatte so gut gelernt, die
Überzeugungen ihrer Eltern und anderer Menschen für ihre eigenen zu halten.
Aber sie fand heraus, daß sie auch auf der Erde ihre Elfenseele leben konnte
und das dann die Erde auf einmal aus einer ganz anderen Perspektive
erschien..... als ein wunderschöner, magischer Platz voller Möglichkeiten und
voller Chancen, Neues zu lernen. Sie lernte, dass das Leben auf diesem
Planeten dann Freude und Lebendigkeit sein konnte.
Und so begann ein ganz anderes Leben.
